Meerschweinchen- und Kaninchenhilfe Haidgau 
 

Aufgasungen - Tympanie - Trommelsucht

Meerschweinchen und Kaninchen leiden leider recht häufig an Aufgasungen (Tympanie oder auch Trommelsucht). Dies kann durch verschiedene Einflüsse bedingt sein, z.B. durch falsche Ernährung (z.B. zu viel Körnerfutter), Aufregung oder zu schnelle Futterumstellung. Auch entsteht eine Tympanie häufig dadurch, dass ein Meerschweinchen oder Kaninchen über einen längeren Zeitraum kaum oder gar nicht gefressen hat (z.B. durch Zahnprobleme). Allerdings kann hinter der Aufgasung auch immer eine organische Erkrankung stecken, oder auch Darmparasiten bzw. Pilze.

Tympanien lassen sich auch von unerfahrenen Besitzern relativ gut erkennen. Die Tiere sitzen dann ruhig in einer Ecke des Käfigs, haben evtl. aufgerichtetes Fell, mögen sich nicht bewegen und fressen nicht. Fasst man dem Tier an den Bauch, so ist dieser sehr dick und rund. Die Tiere empfinden leichten Druck auf den Bauch als schmerzhaft und es entsteht ein trommelndes Geräusch beim Beklopfen der Bauchwand.
Eine Tympanie kann bei Meerschweinchen und Kaninchen aufgrund einer starken Kreislaufbelastung schnell lebensgefährlich werden!! Daher ist ein Tierarztbesuch unumgänglich!!

Meerschweinchen und Kaninchen zeigen Aufgasungen sehr deutlich an:
Bei starken Blähungen ist die Bauchdecke stark angespannt. Häufig ist die Aufblähung des Bauches auch gut zu sehen und zu ertasten. Bei sehr starker Aufgasung kommt es zu einem hohl klingenden Geräusch, wenn gegen die Bauchdecke geklopft wird.
Die Tiere verweigern bei akuter Tympanie die Nahrungsaufnahme oder sie fressen nur sehr wenig.
Im Anfangsstadium sitzen sie mit rundem Rücken in der Hocke, meist mit leicht gesträubtem Fell und atmen stärker in den Flanken. Sie wirken aufgeplustert.
Im fortgeschrittenen Stadium bekommen sie Atemnot, starke Flankenatmung, sitzen mit panisch aufgerissenen Augen teilnahmslos im Gehege. Sie kühlen stark aus und wirken irgendwann apathisch.
Sie haben sichtbare Schmerzen und knirschen häufig mit den Zähnen. 

Was löst Blähungen aus?
Meist entsteht die Trommelsucht wenn ungewohntes Frischfutter oder Trockenfutter in solchen Mengen gegeben wird, dass der Darm überfordert ist - dadurch kommt es zu starken Fehlgärungen im Darm. Vor allem im Sommer müssen die Tiere vor dem Raussetzen erst langsam an frisches Gras etc. gewöhnt werden, sonst entstehen diese schmerzhaften Blähungen sehr schnell. Auch wenn die Tiere sehr unausgewogen oder schlicht falsch ernährt werden, z.B. nur einmal ab Tag frisches Futter bekommen, dadurch schlingen und zu viel Luft schlucken kommt es schnell zu Aufgasungen.
Stark blähendes/gärfähiges Futter wie Kohl, Hülsenfrüchte, Zwiebelgewächse, Klee und feiner Rasenschnitt sowie angegorenes, gefrorenes oder erwärmtes Gras verursachen, vor allem in zu großen Mengen oder wenn die Tiere nicht daran gewöhnt sind, gefährliche Blähungen.
Ebenso kann es auch bei vorhandenen anderen Krankheiten wie Zahnfehlstellungen, Infektionen der Atemwege etc. zu Blähungen kommen. Immer dann, wenn eine Nahrungsumstellung durch die eingeschränkte Fähigkeit das angebotene Futter aufzunehmen stattfindet, kann die Darmpassage verzögert werden.
Eine Verstopfung, z.B. durch zu wenig Rauhfutter oder eine grundsätzlich falsche Fütterung (viel Trockenfutter, viele Pellets, kaum Heu oder Grünfutter etc.) oder durch teilweise Nahrungsentzug kann ebenfalls Aufgasungen im Darm hervorrufen.
Ein Grund für Blähungen kann auch gespritztes und nur unzureichend gewaschenes Gemüse oder Obst (also eine Vergiftung) oder bei extrem empfindlichen Tieren sogar nicht gut abgetrocknetes Gemüse und Grünfutter sein.
Mitunter kommt es zu einem massivem Hefepilzbefall im Darm, auch dieser kann Aufgasungen im Darm auslösen.
Seltener ist eine bakterielle Infektion der Grund für Blähungen.

Sofortmassnahmen (bis zum Eintreffen des Tierarztes)

Sab Simplex® Tropfen, Lefax oder ein anderes Medikament mit dem Wirkstoff Simeticon oder Dimeticon ist einzugeben. Mehrmals täglich. Anfangs einmal 1 – 2 ml, dann etwa 0,5 ml vermischt mit der gleichen Menge Wasser. Anschließend kann der Bauch vorsichtig mit kreisenden Bewegungen massiert werden. Bei starker Aufgasung kann auch wesentlich mehr von dem Mittel eingegeben werden. Sollten diese Medikamente nicht zur Verfügung stehen, dann geben Sie Fencheltee, Kümmeltee (Kümmel heiß überbrühen und 15 Min. stehen lassen) oder Pfefferminze.
Umstritten ist die Zufuhr von Wärme bei Aufgasungen. Kühlen die Tiere stark aus oder haben sie heftige Krämpfe, kann Wärme sich positiv auswirken. Wird die Aufgasung durch große Mengen gärendes Grünfutter im Darm verursacht, dann kann Wärme kontraproduktiv sein, da sie die Gärung des im Darm befindlichen Materials beschleunigt. Sollte das Tier eine Nahrungsaufnahme verweigern, muss Nahrung in kleinen Mengen zwangsweise zugeführt werden.

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